Sturm über Bullerbü

Bild svetik

Es wird frostig in Schweden

Jetzt hat es auch die Schweden erwischt. Ein Land, in dem wie selbstverständlich fast immer die Sozialdemokraten, zwischendurch mal kurz die (sozialdemokratischen) Konservativen, regierten. Jahrzehnte war das Land von dem parteiübergreifenden sozialen Konsens geprägt. Hohe Steuern und Sozialabgaben wurden gerne als Preis für hohe Sozialstandards gezahlt. Und der Umgang miteinander – das sage ich als begeisterter Schwedenurlauber – ist von Respekt geprägt. Was für Schweden gilt, gilt wohl  für Werte in ganz Skandinavien: Wohlfahrt, Konsens und Friedfertigkeit. Und jetzt die Blutgrätsche, auch in Schweden haben die Rechten den grenzübergreifenden „Common Sense“ mit einem Paukenschlag gestört. 28,4% für den von Sozialdemokraten geführten Linksblock, 19,8% für die Koalition der Mitte und 17,6% für die rechten Schwedendemokraten. Zum Linksblock gehören die Sozialdemokraten, die Grünen und die kommunistische Linke. Zur Mitte die Konservativen und Liberalen. Das Wahlergebnis wird die traditionellen Blöcke voraussichtlich in die Auflösung treiben, damit einer von beiden eine halbwegs solide Regierung bilden kann.

Schauen wir mal auf die anderen skandinavischen Länder. In Dänemark hat die Ministerpräsidentin Helle Thorning-Schmidt (das ist die attraktive Blondine, mit der Barack Obama beim Mandela-Begräbnis heftig geflirtet hat) die rechte dänische Volkspartei aus der Regierung gedrängt und arbeitet mit den konservativ-liberalen Kräften weiter. In Norwegen hat Premierministerin Erna Solberg eine Minderheitsregierung mit den Konservativen, den Liberalen und den Rechtspopulisten gegründet, die von den Christdemokraten gestützt wird. In Finnland führt Premier Juha Sipilä aus Zentrum, Liberalen und den von den rechten „Wahren Finnen“ abgespalteten Abgeordneten der „blauen Zukunft“ die Regierung. Zusammengefasst: Alle vier Länder kämpfen mit den neuen Rechten. Alle vereint der Wählerauftrag, die Zuwanderung zu stoppen, aber das Sozialsystem zu erhalten.

Ob in Schweden der smarte Jimmie Akesson, Vorsitzender der Schwedendemokraten, sich am äußerst rechten Rand festsetzt oder nicht, ist noch offen. Das Land jedenfalls wird um seine soziale und liberale Identität kämpfen. Schweden hat übrigens pro Einwohner mehr Flüchtlinge aufgenommen als Deutschland. Bullerbü ist sehr bunt geworden – vielleicht wäre Pippi Langstrumpf die richtige Premierministerin, auf Fotos mit der Königsfamilie jedenfalls ein echter Hingucker. Sie könnte gut durchsetzen, dass Schweden auch künftig locker bliebe.

 

Günter Morsbach

Foto: © svetik

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