Unsere Sachsen

Foto (c) tag24.de

Liebe Leserinnen und Leser,
liebe Freunde des Reitenden Boten,

heute möchte ich Sie mal ausnahmsweise direkt ansprechen. Bisher hat sich der Reitende Bote nicht zum Thema Chemnitz mit Begleitumständen geäußert. Erstens ist das nicht nötig, wenn alle Medien täglich darüber berichteten und zweitens ist es oft so, dass sich manche Informationen erst so langsam herauskristallisieren. Heute wollen wir mal über die Fakten reden, die bisher zu kurz gekommen sind.

  1. Das Opfer: Der 35-jährige Tischler Daniel H. ist Halb-Kubaner gewesen. Wieso veranstaltet die Rechtskoalition aus AfD, Pegida, Hooligans, Nazigruppen und Schlägertrupps einen Trauermarsch zugunsten eines Menschen, den man aufgrund seiner Hautfarbe normalerweise eher durch die Stadt jagen würde?
  2. Ein Reporter, der an besagtem Montag mit in Chemnitz war, beschrieb den harten Kern der rechten Demonstranten als eine Gruppe von Verblödeten und Radikalisierten, von denen ein großer Teil besoffen war. Der Rest waren Mitläufer. Über deren Sympathie für den Massenmörder Hitler konnte man nur spekulieren.
  3. Die wenigen Sprechchöre, die die Truppe auf die Reihe brachte, waren „Deutschland den Deutschen“ und „Wir sind das Volk“. Wer will so ein Deutschland wirklich haben und wenn die eines Tages wirklich das Volk wären, müsste man ganz schnell das Weite suchen.
  4. Aus welchem Milieu die Protestler kommen, wissen wir nicht. Wer wer kann am Montagnachmittag mit Bussen und Bahnen in Chemnitz sein, um Randale zu machen?
  5. Die AfD zeigt so langsam zeigt ihr wahres Gesicht. Alice Weidel, die gerne auf halb-konservativ macht, schrieb und sagte: „Das Abschlachten geht weiter“. So motiviert man Wirrköpfe. Wir sollen glauben, dass marodierende Messerstecher durch unsere Städte ziehen und wir den Schutz durch die AfD bräuchten.
  6. Bei der Pegida-Demo in Chemnitz trat ein Männchen mit einem Deutschland-Ballermann-Hütchen auf ein Reporterteam zu und laberte über seine Bürgerrechte und gegen das Filmen. Erst dachte ich, das sei ein bestellter Comedian der Heute-Show, so skurril war der Auftritt. Später erfuhr man, der Mann sei im LKA Sachsen tätig. Er wurde dann versetzt. Das Männchen war auch schon das einzig lustige in diesen Tagen.
  7. Mal was kritisches: Seit Beginn der Berichterstattungen wurde unter dem Motto „Menschenjagd in Chemnitz“ immer der gleiche Handyfilm gezeigt, bei dem nach einem Wortwechsel ein Mann im hellblauen Hemd davonlief. Mir kam der Spot sehr merkwürdig vor. Tage später stellte die Staatsanwaltschaft in Dresden fest, dass es in Chemnitz keine Menschenjagd gab.

Zu den Fakten:

Die Straftaten in Deutschland sind in den 10 Jahren von 2007 bis 2017 von 6.284.000 auf 5.762.000 gesunken und die Gewaltkriminalität von 218.000 auf 189.000 Fälle. Die Zahlen stammen von © Statista. Übrigens ist auch die Zahl der Sexualstraftaten rückläufig.

Was kann der Staat außer warmen Worten tun? Alle demokratischen Parteien müssen schnellstens die Glaubwürdigkeit wieder herstellen und Straftäter abschieben. Das würde auf die zweifelnden Mitbürger am schnellsten positiv wirken.

Aber warum sind rechte Strukturen in Sachsen bzw. in Ostdeutschland so stark? Vergessen wir nicht, dass es sich bei der Ex-DDR um eine junge Demokratie handelt. Auch werden viele junge Leute zu Hause von den Eltern und Großeltern oft genug gehört haben, dass früher alles besser gewesen wäre. Die so entstandene Stimmung hat erst die SED-Nachfolgepartei  DIE LINKE aufgefangen, heute ist Rechts einfach stärker, denn die Flüchtlinge und Frau Merkel geben eine passende Zielscheibe ab. Der größte Fehler, den wir jetzt machen könnten, wäre die Bürger von Chemnitz, Sachsen oder Ostdeutschland als RECHTE abzustempeln. Genauso falsch ist es, mit den Mitläufern der rechten Aufmärsche behutsam umzugehen. Wer mit Hitlergrüßern gemeinsam durch die Stadt läuft, muss sich Neonazi nennen lassen, basta. Und wer AfD wählt, ist zwar vom Wahlgeheimnis geschützt, er hat nun aber gesehen, wer dahintersteckt und trägt die Mitverantwortung für die Folgen für Deutschland. „Denk ich an Deutschland in der Nacht, dann bin ich um den Schlaf gebracht“, schreib Heinrich Heine schon 1844. Außenminister Maas sagte letzte Woche, es bräuchte mehr Bürgerengagement gegen die Rechten.

Ok, wir machen mit!

 

Günter Morsbach

 

Foto: © tag24.de

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