ITALISSIMO – Der Römische Patient

Cottarelli wird zugleich Premier und Staatsfeind Nr. 1

Der italienische Staatspräsident Sergio Mattarella hat die Träume der angebahnten Rechts-chaotischen Koalition zerstört. Er hat die Ernennung von Paolo Savona zum Finanzminister abgelehnt. Savona ist Italiens Anti-Euro-Trommler und Verächter all jener, die zu einer seriösen Finanzpolitik  zurück wollen.

Foto Italia (2)

Jetzt soll Carlo Cottarelli die Staatsregierung als Unabhängiger führen. Cottarelli war beim Internationalen Währungsfonds und im Kabinett Letta Sonderbeauftragter für die Prüfung der Ausgaben von öffentlichen Aufgaben und Staatsunternehmen. Er ist Autor des Buchs „Die Todsünden der italienischen Wirtschaft: Steuerhinterziehung, Korruption, überbordende Bürokratie, langsame Justiz“. Zusammengefasst: Er hat das Zeug, bei der derzeitigen politischen Mehrheit aus Europahassern und einer Gegen-Alles-Partei zum „Staatsfeind Nr. 1“ zu werden. Er ist aber genau der Mann mit den Fähigkeiten, Italien aus dem Chaos zu führen. Eigentlich ist er viel zu schade, sich als Übergangspremier verheizen zu lassen. In der tiefen Staatskrise können die 2,3 Billionen Staatsschulden  über Nacht zu einem Betonklotz an den Füßen Italiens und Europas werden. Die Chaos-Populisten wollten eifrig wie bisher weitermachen und den schon jetzt ziemlich unbeherrschbaren Schuldenberg weiter erhöhen. Italien müsste nach den aktuellen Kursen seiner Staatsanleihen 5 bis 7% Zinsen bezahlen, was den  Staatshaushalt zusammenbrechen ließe.

An Italien kann man lernen, was es heißt, ohne eine erfolgreiche politische Mitte zu leben. Das Parlament ist ziemlich genau in 3 Blöcke zerschnitten, die Chaoten der 5-Sterne-Bewegung, die Rechte inklusiv Berlusconi und die zersplitterte frühere Mitte aus Sozialisten, Liberalen und Christdemokraten. Es fehlt eine charismatische, glaubwürdige Figur, ein italienischer Macron, der die nicht extremen und gemäßigten Kräfte vereint und zu neuer Stärke führt. Das Land ist viel zu schön und zu bedeutend, um im Chaos der Spinner unterzugehen.

Arthur Schopenhauer sagte zutreffend: „Mit Italien lebt man wie mit einer Geliebten, heute in heftigem Zank, morgen in Anbetung“. Dem schließe ich mich gerne an.

 

Günter Morsbach

Foto: © 123RF

 

Auch das noch: „In Italien leben ist herrlich. Wenn die Deutschen sagen, die Lage ist ernst, aber nicht hoffnungslos, sagen die Italiener, die Lage ist hoffnungslos, aber nicht ernst!“

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