Ach du dickes Ei

Die Jugend in den USA im Kampfmodus

Die Amokläufe an Schulen in den USA hatten bisher ihr eigenes Ritual. Allgemeine Betroffenheit – Trauer und Beileidsbekundungen – Ruf nach strengeren Waffengesetzen – die Waffenlobby widerspricht – Stimmung und Trauer flauen ab – alles bleibt wie gehabt. Und das, nachdem in den USA alle paar Monate Massenmorde an Schulen passieren. Schnelles vergessen?

Nicht diesmal, nach dem Massaker vom 14. März in Parkland. Die Mitschüler der betroffenen Familien machten mobil. Emma Gonzales, eine 17-jährige mit hellbraunem Teint und kurz geschorenen Haaren wurde zum Gesicht der Kampagne gegen den Waffenkult in den USA. Schon bald sammelten sich unter #neveragain diejenigen, die das dämlich-blutrünstige Geschwätz der Waffenlobby NRA nicht mehr hören konnten. Präsident Trump, nie um einen noch so absurden Beitrag verlegen, forderte die Bewaffnung der Lehrer und klatschte sich selbst dümmlichen Beifall.

Den aktivierten Schülern war das routinemäßige Geschwafel zu doof. Sie attackierten direkt die NRA und diejenigen Politiker, die Spendengelder von den Waffenbrüdern nahmen. Schmiergelder von den Lieferanten der Schülerkiller? Schluss damit!

Emma Gonzales, eine mitfühlende und äußerst begabte Rednerin gab den Ton vor. Keine Rückkehr zu den alten Ritualen, jetzt muss gekämpft werden. 830 Veranstaltungen und Demonstrationen fanden am letzten Wochenende in den USA statt. Eine halbe Million Menschen kamen alleine nach Washington zum „March for our lives“. Die Promis Miley Cyrus, Ariana Grande und George Clooney waren dabei. Vier Millionen Dollar Spenden zur Finanzierung der Organisationskosten wurden geleistet, darunter 500.000 vom Ehepaar George und Amal Clooney. Schon jetzt gilt der March als größte Bürgerbewegung nach der Erkämpfung der Bürgerrechte und zur Beendigung des Vietnamkriegs.

Diese Bewegung wird nicht mit ein paar Symbolgesetzen und leeren Sprüchen abzuspeisen sein. Sehr geschickt haben die Organisatoren verkündet, dass sie bei Wahlen zwar noch nicht stimmberechtigt wären, aber der Tag ihrer politischen Entscheidungen sehr nahe sei. Dann wisse man sehr wohl, wer weiterhin Schulgemetzel unterstützt. Gut so! Bisher hatten wir in Europa eher den Eindruck, die amerikanische Jugend sei unpolitisch. Jetzt wurde ein Überraschungsei mit dem Inhalt „Hoffnung“ geöffnet.

Frohe Ostern!

Ihr Günter Morsbach

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