Dummdreist

Ein Volk wird verarscht

Ich hoffe, Sie haben am letzten Sonntag die Talkshow von Anne Will gesehen. Nicht, weil es so spannend war, sondern weil selten so deutlich wurde, wie man das Publikum manipulieren kann. Es ging um den Dieselautoskandal. Es sollte geklärt werden, ob der gutgläubige Autokäufer der Gekniffene ist. Fahrverbote, Software-Update, Hardware-Nachrüstung, eine Stunde lang pries jeder Gesprächsteilnehmer seinen Standpunkt und erklärte, warum die anderen im Unrecht wären. Minister Christian Schmidt, der Automobilpräsident und der VW-Markenvorstand Herbert Diess erklärten, warum die teure Hardware-Nachrüstung wegen der langen Genehmigungsverfahren, der Haftung und der Kosten nicht infrage komme. Die Gelder würden für die Zukunftsforschung gebraucht, nicht für die Aufarbeitung der Vergangenheit, eine tolle Logik, wenn man Betrüger ist. Und die drohenden Fahrverbote? Super Palaver dazu, was man doch in der Vergangenheit schon alles getan hätte, um die Luft reiner zu machen. Seht mal her, wie toll wir (Staat und VW) sind! Am schlimmsten ist das irgendwann vom Minister eingebrachte Argument, dass es hier auch um Arbeitsplätze gehe. Nein, es geht um Kundengelder, nicht um Arbeitsplätze.

Man könnte ja das Thema unaufgeregt betrachten. Bei schlechter Luft ist es doch jedem möglich, mal mit den Öffentlichen in die Großstadt zu fahren oder zum Shoppen in die nächstliegende Kleinstadt. Dann freuen sich die dortigen Händler und die Gastronomie. Ist doch kein großes Problem. Und für die Handwerker und Anrainer in luftverschmutzten Großstädten wird es Ausnahmeregelungen geben. Ist halt mal so, bis die Luft wieder besser ist.

Als Betrugsopfer verliert man pro Betrugsauto beim Gebrauchtwagenverkauf zwischen 2.000,- und 4.000,- Euro. Solche Beträge (z.B. 10% vom Kaufpreis) möchten wir vom VW-Konzern zurück. Jeder kann dann nachrüsten oder das Gebrauchtfahrzeug billiger verkaufen. Dann können alle in Talkrunden weiter labern. Ein Gesetz dazu wird nicht kommen, das können wir uns abschminken. Bleibt also nur die Schadenersatzklage. Und irgendwann mal muss uns einer erklären, warum normale Betrüger vor Gericht müssen, VW-Manager aber nicht. In den USA hat VW ja den Betrug als solches im Vergleichsdokument anerkannt.

Tatsächlich wurde am Sonntag klar, dass die Regierung nicht der Anwalt der Autokäufer, sondern Kumpan von VW ist. Während in den USA ein VW-Manager wegen Betrugs im Gefängnis sitzt, sitzt man hierzulande großspurig in den Talkshows.

Also, VW und wer sonst noch seine Kunden geschädigt hat, muss gezwungen werden, für den finanziellen Schaden gerade zu stehen. Für die Manager-Boni und die Millionengehälter war ja auch Geld da.

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