Wer rettet die Mitte?

Macron hat gezeigt, wie es geht

Innerhalb von 12 Monaten hat Emmanuel Macron eine Revolution durchgezogen. Er war ja selbst Teil der maroden Sozialisten unter dem französischen Konkursverwalter Francois Hollande. Unter seinem erfolgreichen Slogan „En marche“ hat er erst die Reste der zentristischen Partei und der Liberalen eingesammelt, dann der sozialistischen Partei und den Republikanern die zukunftsfähigen Mitglieder abgeworben und die Partei „La Republique en Marche“ geformt. Nach der alten politischen Einordnung ist das eine sozial-liberale Partei – aber Vorsicht, es ist ein wirklich kraftvolles Reformbündnis.

„La Republique an Marche“ ist ein Abriss- und Bauunternehmen zugleich. Den ewigen Honoratioren, der etablierten Parteien, die in Hinterzimmern die Postenbesetzung organisierten, hat er klar gemacht, dass sie ausgespielt haben. Er machte die neue Partei durchlässig. Unverbrauchte Gesichter bekamen eine Chance und können sich nun bewähren.

Und Deutschland? Wir erleben gerade, was Erstarrung bedeutet. Die CDU möchte oder muss die kommenden vier Jahre mit Angela Merkel als Gallionsfigur durchziehen. Außenpolitisch sicher beruhigend, innenpolitisch lähmend. Keiner kommt an Angela Merkel vorbei. Und die CSU? Der Machtwechsel ist eingeleitet. Mal sehen, ob es einen echten Prozess der Erneuerung gibt. Der Schwachpunkt im Parteiengefüge ist die SPD. Eine Leserin schrieb kürzlich: „Warum hackt ihr so auf der SPD und Schulz herum?“ Ganz einfach: Deutschland kann es sich nicht leisten, einfach beim Sterben einer Partei zuzuschauen. Schulz hat mit seinem erbärmlichen Herumgeeiere die Partei in Richtung Müllhalde in Bewegung gesetzt. Sie ist führungslos. Schulz sagt nicht, was er als Parteichef will, schon gar nicht, wohin er will. Minderheitsregierung, Neuwahl, Groko oder XYZ-Konfettiregierung, das sollen die führungslosen Mitglieder entscheiden. Herr Schulz übernimmt und moderiert dann das Umfrageergebnis. Was für ein trauriger Held!

Da kann auch bei uns eine Macronpartei entstehen. Vielleicht! Bei der FDP wird Lindner eine zweite Chance nach dem Jamaika-Desaster bekommen. Aber aufgepasst, bei den Grünen kommt ein Neuordnungsprozess in die Gänge. Der Schriftsteller Robert Habeck, Umweltminister in Schleswig-Holstein, hat seine Kandidatur für den Parteivorsitz angemeldet. Er hat das Zeug, charismatisch eine Neuordnung Mitte-Links in Gang zu setzen. Lassen wir uns mal überraschen.

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