Die #metoo Keule

Die angeblich sozialen Medien sind zerstörerisch

Seit den 20-er Jahren wird gespöttelt, was auf der Besetzungscouch im Filmbusiness passiert. Über dieses Thema wird getuschelt, gewitzelt und gelästert. Wir kennen Insider, die pikante Geschichten erzählen können, aber von Vergewaltigungen noch nichts gehört haben. Dass in der Branche erotische Beziehungen zum Business gehören, ist eigentlich keine Überraschung und sind jedem von Erzählungen auf der Schauspielschule bekannt. Also kann man sich genügend vorbereiten und sich auf Reaktionen für den Fall X präparieren, so oder so. Aber wenn Gewalt ins Spiel kommt, hört die Toleranz auf. Wer anderen Gewalt antut, hat dafür juristisch und moralisch gerade zu stehen. „House of cards“ Darsteller Kevin Spacey wird von einem jüngeren Schauspieler beschuldigt, ihn im Rahmen von Dreharbeiten vergewaltigt zu haben. Und die Folge: Der zuletzt mit Spacey gedrehte Film wurde gestoppt, um alle Szenen mit ihm heraus zu schneiden und mit einem anderen Schauspieler nachzudrehen. Mag ja sein, dass Spacey Schlimmes getan hat, aber vor einer Existenzvernichtung hat immer noch eine neutrale Aufarbeitung durch ein Gericht zu stehen.

Das ist genau so, als hätte man nach dem Dieselskandal des Herrn Winterkorn aus den VWs den Motor herausgeschnitten. In einer Massenhysterie wurde #metoo als Denuntiations-Plattform auf den Markt der sogenannten sozialen Medien gebracht. Alle in der Filmbranche oder sonstige Promis wurden aufgerufen, sich auf dieser Plattform zu outen. Das haben viele Damen und Herren angenommen. Fast jeden Tag erfuhr man, wer angeblich sexuell ausgenutzt worden sein soll.

Wir sahen kürzlich in einer Talkrunde zu diesem Thema eine Schauspieler-Agentin mit Büros in Deutschland und Hollywood. Sie erklärte den Hype so: Alle Presse-Agenten und Agentinnen der Schauspieler haben unter der Hand ihren Klientinnen empfohlen, sich über #metoo zu outen, weil das Pressemeldungen brächte. War dann auch so. #metoo wurde zur Wettlauf-Plattform aller, die auch mal wieder in Zeitungen, Zeitschriften und die Klatschspalten der Medien wollten. Beweise musste man ja nicht liefern, aber alte Rechnungen konnten beglichen werden, keiner war mehr sicher. Die ganze Kiste kostete Existenzen, die Unschuldsvermutung wurde niedergetrampelt, Gerichtsverfahren – die einzig legitimen Mittel des Rechtsstaats – wurden ausgehebelt, die sogenannten sozialen Medien feierten ihre Ernennung zum digitalen Moralwächter und kreuzigten einen mutmaßlichen Sextäter nach dem anderen. Also mal zum Mitschreiben: Schuldsprüche machen die Gerichte und wer nicht schuldig gesprochen wird, hat keine Straftat begangen.
Das ist nun mal so und hat sich in der Zeit vor Facebook, Twitter & Co. bestens bewährt. Das moderne Faustrecht der anonymen Rechtsprechung im Netz, verbunden mit Effekthascherei ist blöd, überflüssig und gefährlich!

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