Wer sind die Berufsjammerer?

Gedanken zum Tag der Deutschen Einheit

Was stand im Mittelpunkt des Tags am 3. Oktober? Vor 27 Jahren haben die Westdeutschen die Verantwortung übernommen für ein Trümmerfeld, angerichtet von der SED. Zerstörte Straßen, marode Häuser, hässliche Plattenbauviertel, drastische Umweltschäden, Rauchschwaden aus Braunkohlekraftwerken, der Abgasdunst der Trabbis, Schlangestehen vor Tankstellen und den Charme der verschrumpelten Apfelsinen in HO-Läden – der Zauber des realen Sozialismus. Eher unsichtbar war der eiskalte Hauch der Stasidiktatur im Nacken der Menschen. Dass es das nicht mehr gibt, ist doch ein fröhliches Fest der Vereinigung wert gewesen. Und dass es im vereinten Deutschland die mutigen Bürger aus der DDR gibt, die die Diktatur weggefegt haben. Aber über was wird geredet? Über den Zuspruch für die AfD. Und über Abgehängte, Benachteiligte und Neider, über kaputte Biografien und nicht Mitgenommene. Dieses säuerliche Geplapper, ich kann es nicht mehr hören!

Viele hatten den Mut und die Fähigkeiten, die Chancen der sozialen Marktwirtschaft zu ergreifen. Was aber untragbar ist, ist das Gejammere, dass immer die anderen Schuld hätten. Klar, die Renten könnten höher sein. Aber die Putzfrau in unserer Tochterfirma in Thüringen konnte mit ihrem Mann nach Acapulco in den Urlaub fliegen, ich war noch nicht dort. Und die Unterschiede in den Tarifverträgen Ost und West? Antiquiert! Aber die machen Gewerkschaften und Arbeitgeberverbände, nicht die Regierung. Und die Mieten? Die sind, da sie marktwirtschaftlichen Regeln folgen, in den Ostländern niedriger – nur darüber redet keiner. Man tut so, als ob alles besser wäre, wenn der Staat es regeln würde. Aber genau das hat die DDR ja zum Notstandsgebiet gemacht.

Es wird moniert, dass es nicht mehr in jedem Dorf den ganzen Tag Busverkehr gibt, Lebensmittelläden geben mangels Kundschaft auf und dies und jenes fehlt. Man könnte Flüchtlinge aufnehmen, um wieder zu wachsen, aber da sind ja die Hetzer dagegen. Der Zug in die Städte zum Nachteil der ländlichen Gebiete ist ein europaweiter Trend. Das gehört zur Freiheit.

Heute haben wir in Ostdeutschland konkurrenzfähige Fabriken und Dienstleister, eine funktionierende Infrastruktur, eine saubere Umwelt und vor allem die persönliche Freiheit. Darauf kann das vereinigte Deutschland stolz sein. Die Generation der Nach-Wendezeit darf nicht durch die Jammerer frustriert werden, sie braucht Mut zur Zukunft, Vertrauen in die eigene Kraft und Verantwortung für die Heimat. Aber richtig, das ist noch nicht alles. Wir brauchen nicht nur ein modernes Zuwanderungsgesetz, wir brauchen auch ein progressives Gesetz zur Förderung der Lebensbedingungen, gezielt für Problemregionen. Das gab es bis zur Vereinigung schon mal, es hieß „Zonenrandförderungsgesetz“. Damit wurden Investitionen in Gebieten an der Grenze gefördert, nicht Sozialleistungen, wie sich das mancher wünscht. Ich habe mich über die Vereinigung von Herzen gefreut und finde die Neuen Länder toll. Probleme sind zum lösen da, aber nicht durch Stimmen für die AfD sondern durch konstruktives anpacken. Das gilt für die Politik und für alle Deutschen. Zukunft ist machbar, Herr Nachbar!

Günter Morsbach

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