Die Leichenfledderer

Was steckt denn hinter der spektakulären Air Berlin Insolvenz? Der Zeitpunkt: Pünktlich zur Urlaubs-Rückflugsaison, wenn die Ferienpassagiere über die ganze Welt verteilt sind und der Wahlkampf in die heiße Phase eintritt. Die Problemlösung: Der Staat, und das sind wir Steuerzahler, hat schon alles vorbereitet, dass ein Übergangskredit für einige Wochen zur Verfügung steht. Umgehend nach der Meldung über den Insolvenzantrag steht das Geld schon zur Auszahlung bereit, es kann also weiter gehen. Der Betrag: 150 Millionen Euro, die gerade bis etwa Mitte September den Flugbetrieb aufrecht erhalten lassen, dann sind auch in Bayern die Ferien zu Ende. Die Zukunft: Es ist alles vorbereitet, dass die Zukunft des Herzstücks der Airline bei der Lufthansa liegt. Dazu gehört auch die Tochtergesellschaft Nikki, der einzige in Österreich verbliebene Konkurrent der Lufthansa eigenen Linie Austrian. Also, zum mitschreiben, Lufthansa entledigt sich weitestgehend der zweitgrößten Luftlinie Air Berlin und die Tochter Austrian des bis jetzt verbliebenen Wettbewerbers Nikki. Der Rest soll möglichst still entsorgt werden.

Matthias Machnig (SPD), umtriebiger Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium, zieht bei der ganzen Inszenierung die Strippen. Staatsgerecht soll es zugehen in einem Sektor, in dem der Wettbewerb im Luftverkehr den Bürgern marktgerechte Preise beschert hat. Vorher hatte die Lufthansa ein Monopol, in dem man gemütlich Geld verdienen konnte – die gute alte Zeit soll wieder kommen. Aber da sind zwei, die die ganze Intrige zum Platzen bringen könnten. Einmal ist das der Ryanair-Chef Michael O‘Leary, aber auch der Nürnberger Luftfahrtunternehmer Hans Rudolf Wöhrl. Bei Wöhrl bliebe auch die AB-Verwaltung erhalten, da er die Airline als eigenständiges Unternehmen betreiben möchte. Seit 1974 hat Wöhrl Erfahrung in der Führung von Fluggesellschaften. Er ist unser Favorit in diesem höchst anrüchigen Spiel!

Zusammengefaßt, alles sieht nach einem üblen abgekarteten Spiel aus, das die Air Berlin Aktionäre und Gläubiger bezahlen müssen. Die neuen monopolartigen Strukturen am Ende des Prozesses in Deutschland und Österreich bezahlen dann die Passagiere über erhöhte Ticketpreise. Dass die Politiker durch den geschickt gewählten Zeitpunkt der Insolvenz rettend für die Rückflieger einschreiten, sei mal dem Wahlkampf geschuldet. Aber die weiteren Einmischungen sind skandalös!

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