Das neue Märchen aus 1001 Macht

Oder wie man der Allergrößte wird

Es war einmal ein Emir in einem muslimischen Reich, der wollte ein ganz großer und berühmter Herrscher werden. Noch in 1000 Jahren sollte die Welt ehrfurchtsvoll über seine Taten reden und seine Weisheit lobpreisen. Er hatte zu Beginn seiner Amtszeit gutes geleistet und dem Land eine prosperierende wirtschaftliche Entwicklung beschert. Doch die wirtschaftliche Blütezeit neigte sich dem Ende zu und in den Medien, der Armee, der Justiz und den Universitäten aber auch im Parlament regte sich Groll gegenüber dem Emir. „Was nicht sein darf, darf auch nicht sein“, sagte er zu seiner mit einem güldenen Kopftuch bewehrten Frau, „jetzt wollen die sogar wissen, wie wir zu unseren Millionen gekommen sind“. Als erstes schickte er seinen Wesir in die Wüste, da der bei Gesprächen mit Auslands-Politikern freundlich gelacht hätte. Dann hörte er von der Vorbereitung eines Putsches und seine Berater rieten ihm, diesen sofort präventiv niederzuschlagen. Nein, sagte der weise Emir, wir warten, bis sie putschen, dann haben wir einen Grund alle Gegner auf einen Schlag zu eliminieren. Er ließ eine Liste aller Verdächtigen erstellen, die irgendwann negativ über den Erhabenen gesprochen hätten. Die nützlichen Idioten putschten, wurden gelyncht oder verhaftet, 250 Menschen starben, 3.000 Richter, Offiziere und Staatsanwälte wanderten ins Gefängnis, Tausende Beamte wurden entlassen. Der Emir triumphierte. Er sprach von einem Geschenk Gottes und beschimpfte einen greisen Sündenbock, der von gar nichts wusste.

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