Das Comeback des Deutschen Michel

AfD und DIE LINKE bedienen altdeutsche Sehnsüchte

„Grenzen dicht“, mit diesem einfältigen Spruch kann man Wähler locken. Das gefällt besonders den ehemaligen Ostblock-Bürgern in Polen, Ungarn, Tschechien und der Slowakei. 60 Jahre haben die gleichen Staatsangehörigen von der Freiheit des Reisens geträumt. Manche davon haben ihr Leben an Stacheldraht und Mauer eingesetzt, um Grenzen zu überwinden. Ja, wir alle haben es geschafft, den geteilten Kontinent zu einem Raum der Freiheit und des Friedens zu machen. Das waren große Momente, es war ein grandioser Sieg der Sehnsucht nach einem menschlichen Europa. Nun müssen wir erleben, wie die gerade erkämpften Rechte dramatisch an Wert verlieren. Schrecklich bestückte Grenzen wurden zu neuen Symbolen des Nationalismus. Stacheldraht und bewaffnete Soldaten müssen wieder Angst erzeugen und Menschen abschrecken. Aber, nicht nur in Osteuropa träumt man von Problemlösungen mit NATO-Stacheldraht, auch in Österreich und der Schweiz haben die Wähler positiv auf die „Grenzen dicht“ Parolen reagiert.
Was tauschen wir uns dafür ein? Das Primat der Freiheit geniest nicht mehr den höchsten Rang, bevorzugt wird ein dubioses Schutzbedürfnis vor Fremdem. Unkalkulierbare Ängste und unfaire Hetze nehmen den bisherigen Platz der Freiheitsgefühle ein. Unverständlich, dass es 500 Millionen Europäern nicht gelingt, 1,5 Millionen Flüchtlinge auf unserem Kontinent zu verteilen, Schutz zu gewähren und zu integrieren. Dabei zeigen doch schon diese beiden Zahlen, wie lächerlich es ist, das Geschäft mit der Angst vor Überfremdung zu betreiben.

deutscher-Michel
Reizworte wie Burka, Muezzin und Minarette genügen, den Untergang des Abendlands zu beschwören und Wählerstimmen einzusammeln. So einfach war es noch nie, auf Stimmenfang .zu gehen. Listen wir mal auf, mit welchen Themen um die Wählergunst geworben wird. Vorrangig ist es die Angst vor Veränderungen. Geld und Kraft soll nicht in die Eingliederung von Zuwanderern aus anderen Ländern oder in Wohnungen und Versorgungsleistungen von Schutzsuchenden investiert werden, da könnte ICH doch zu kurz kommen, oder?
Aber das alleine ist es doch gar nicht. LINKE-Wähler in Ostdeutschland suchen nach dem Sozialismus-light, nämlich staatliche Fürsorge und Bevormundung, kombiniert mit Reisefreiheit zum Billigtarif. Das sehen viele als die bessere Staatsform. Abschottung, Abwehr von internationalen Impulsen, keine Freihandelsabkommen, kein Euro und keine EU, das eint letztendlich die Parteien links außen und rechts außen, trotz anderer Differenzen.
„Zurück in die Spießigkeit“ wäre ein ehrliches parteiübergreifendes Wahlkampfmotto (dazu passt dann auch das angekündigte Verbot von Sexy-Werbung). „Deutschland den Deutschen“ und „Deutsche, kauft nur deutsche Bananen“, ein atemberaubender Blick in die Zukunft. Der Deutsche Michel lebt!

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