Die Wiesn, das letzte Hochamt des Kommunismus

Nirgendwo sonst ist das Leitbild von Karl Marx so gut verwirklicht.

Ja, alle sind auf der Wiesn gleich, sie tragen die gleichen Gewänder, essen und trinken das Gleiche, singen und schunkeln zusammen und haben einfach Spaß.

bild oktoberfestDas Oktoberfest ist der letzte Ort, in dem Herkunft, Alter, Beruf und Bankkonto keine Rolle spielen. Das „Du“ mit dem Nachbarn im Bierzelt ist selbstverständlich, mit Ausländern wird in einer Art Bayerisch-English parliert und was man nicht ausdrücken kann, wird in Zeichensprache erklärt, bierseelige Kommunikation ohne Befehl von oben, einfach unkompliziert.

Die Wiesn ist ein Ort der Befreiung. Es ist das Niemandsland ohne Bevormundung und moralinsaurer Regulierung. Die Verbrüderung schafft Freiraum für Alkoholkonsum, man genießt die Völlerei mit Fleisch- und Wurstbergen ohne Rücksicht auf Kalorien und Cholesterin. Die Zeigefingertruppe der Antialkoholiker, der Diätfanatiker, der Extremfeministinnen und der Gleichstellungsbeauftragten aus den Amtsstuben hat keine Chance, zu Wort zu kommen. Die Wiesn ist die weltgrößte Busenschau, Zensur wie bei Facebook, vergesst es! In einem wichtigen Punkt haben sich die Dirndlmädels emanzipiert und durchgesetzt. Auf der benachbarten Wiesenfläche haben früher nur die Männer auf dem Heimweg das Bier öffentlich abgelassen. Trotz Videoüberwachung holen laut Polizei die Frauen auf, praktizierte Gleichberechtigung?

Sind auf der Wiesn wirklich alle gleich? Na ja, es gibt doch das Käferzelt und die Firmenboxen mit Promis aus Politik, Film und Wirtschaft. Für die Masse der Wiesnbesucher ist das Bier wichtiger als eine Promischau. Die Prominenten empfindet man höchstens als Dekoration, nicht als Attraktion der Wiesnatmosphäre. Da gibt es die Geschichte von einem Besuch der Paris Hilton auf dem Oktoberfest. Sie lief aus einem Zelt und posierte jubelnd vor desinteressierten Besuchern. Außer ein paar heran dirigierten Kameraleuten interessierte sich überhaupt niemand für das It-Girl, auch das ist Wiesn-Feeling!.

So muss sich Karl Marx mal die sozialistische Welt vorgestellt haben, klassenlos und überglücklich. „Religion ist Opium für das Volk“, hat er mal gesagt. Dass das Oktoberfest mal das wahre Opium und das letzte Hochamt des Kommunismus sein wird, hat er garantiert nicht geahnt. Sein Portrait ist weltbekannt, aber auf der Wiesn würde er genauso ignoriert wie Paris Hilton. Jetzt wissen wir endlich, wie schön der reale Sozialismus sein könnte, prost!

 

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