Die neue Völkerwanderung

Es ist mehr als ein vorübergehendes Flüchtlingsproblem.

Flüchtlinge

Völkerwanderungen gehören zur Geschichte der Menschheit. Kimbern, Teutonen, Goten und Vandalen zogen von Hungersnöten geplagt von Nord nach Süd. Sie erkämpften sich mit Schwertern   neues Land, verschmolzen danach mit der einheimischen Bevölkerung. Viele glauben, dass das, was wir jetzt erleben, ein vorüber gehender Flüchtlingsstrom wäre. Nein, die Menschen aus Afrika und Vorderasien suchen bei uns dauerhafte Freiheit, Selbstbestimmung und Wohlstand. Kein Wunder, wenn man Bürgerkrieg, Hunger, Diktatur und mangelnder Zukunftsperspektive entkommt.

Wer mit Frau und Kind verzweifelt den Weg nach Europa mit Hilfe von teuren  Schleppern antritt, im Meer um sein Leben bangt, ausgeraubt und schlimmer Gewalt ausgesetzt ist, kann in Deutschland, wenn es gut geht, helfende Hände erleben. Man kann aber auch in ein Flüchtlingsheim kommen, vor dem kahlköpfige und schwarz gekleidete Bierbäuchler Hassparolen brüllen. Was mag da in den Köpfen der Neuankömmlinge bei einer solchen „Begrüßungskultur“ vorgehen? Am Sonntag sahen wir im TV neben einem grölenden, rassistischen Haufen eine Gruppe deutscher „Normalos“, die auf Reporterfragen über Flüchtlinge von Schmarotzern, Abschaum und  Kriminellen sprachen. Die Reporterin fragte dann einen syrischen Asylbewerber, welche berufliche Perspektive er in Deutschland sehe. Seine Antwort: Er sei Anwalt für internationales Recht und wolle in einer großen Kanzlei arbeiten. Dieser Mann nimmt den rechten Glatzköpfen schon mal keinen Job weg.

Dass wir eine Überforderung der Behörden, einen Mangel an Unterkünften und vielfach Akzeptanzprobleme haben, ist in erster Linie ein politisches Versagen. Über die Hälfte der Flüchtlinge und Asylbewerber kommen aus Balkanländern. Wie passt es denn zusammen, dass mit diesen Staaten über eine Mitgliedschaft in der EU verhandelt wird, wenn deren eigene Bevölkerung davonläuft? Wir sollten die EU-Verhandlungen aussetzen, bis diese Balkanstaaten ihren Bürgern  eine eigene Perspektive bieten können. Wenn wir sofort diese Staaten als sichere Herkunftsländer einstuften, würden wir über 50% der Asylverfahren auf Tage verkürzen. Auch sollten wir die deutsche Entwicklungshilfe erst mal in diese Nachbarländer stecken und in fernen Gegenden mal Pause machen.

Kennen Sie Dimitris Avramopoulos? Nein, aber er ist unser EU-Flüchtlingskommissar, Durch kluge Maßnahmen ist er noch nicht aufgefallen. Und bei uns? Jeder Vorschlag, aus der jetzigen, hilflosen Improvisation ein politisches Konzept zu schmieden, wird sofort abgewürgt. Aufnahmelager an den Grenzen, ein transparentes Zuwanderungsrecht und Erleichterungen für Flüchtlinge mit beruflichen Perspektiven, alles zerredet. Aber, über die Mindestlohndokumentation kann man trefflich streiten.

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