Griechenland braucht endlich eine gute Regierung!

Griechen

Liebe Griechen,

in diesen Tagen und Nächten werden Entscheidungen fallen, die stark in die Zukunft eures Landes eingreifen werden. Es wird, wie die Geschichte der europäischen Gemeinschaft zeigt, ein fragwürdiger Kompromiss sein, der für die aktuelle Situation irgendwie gerechtfertigt sein könnte, aber auf Sicht keine Probleme löst. Weder die Probleme der EU noch eure Probleme.

Ihr, liebe Griechen seid aufgerufen, jetzt euer Heimatland in Ordnung zu bringen und niemand anderer! Ihr fordert einen Schuldenschnitt oder gar einen Verzicht der Gläubiger. Aber, das brächte doch gar nichts, dann würden munter neue, das Land lähmende Schulden gemacht und nichts wäre gewonnen.

Ein Wachstumsprogramm? Bei der überbordenden Bürokratie investiert doch niemand und die katastrophale politische Führung ist auch keine Werbung für euer Land. Dann gibt es die großen Theoretiker, die meinen, eine neue Drachme würde zwar Importe verteuern, aber den Export beflügeln. Den Export wovon denn? Es gibt praktisch keine exportfähigen Produkte, ihr müsst doch zur Zeit sogar Zitronen aus Ägypten und Südamerika importieren, da eure Wirtschaft in der Bürokratie erstickt. Mit dem rhetorischen Pingpong muss jetzt mal Schluss sein, Klartext ohne Rücksicht ist gefragt.

Den schon erfolgten Schuldenschnitt nannte man „reine Bankenrettung“ und alle plapperten das nach. Richtig, damit wurde teilweise Schaden von Gläubiger-Banken abgewendet, aber es hat Griechenlands Schuldenberg zu Lasten Dritter verringert. Außerdem hätten Bankpleiten dem griechischen Volk am wenigsten geholfen, man erinnere sich an die heftigen Proteste der Sparer bei den Bankpleiten in Zypern. Heute bezeichnet man übereinstimmend alle griechischen Regierungen ab dem Ende der Militärdiktatur 1974 als „korrupt und unfähig“. Mag stimmen, aber in erster Linie war das griechische Volk korrupt. Marode Staatsbetriebe, Arbeitszeitverkürzung, 15 Monatsgehälter, Rente mit 52, Schwarzgeldkultur und Subventionsbetrug waren die von den Wählern über Jahrzehnte gewollten Boni für das eigene Volk. Es war ein klassischer Stimmenkauf.

In jedem Wahlkampf wurden völlig überzogene Wahlversprechen gemacht, von denen jeder Grieche wusste, dass sie nur über Tricks, Pump und schwarze Magie zu finanzieren sind. Aber, man hat die Voodoo-Politiker gerne immer wieder gewählt. Ein Füllhorn, bestehend aus Steuerbefreiung für die Oberen, wenig Arbeit und viel Freizeit, Steuerbetrug und schwarzer Konten, Frührenten und hohen Einkommenssteigerungen, Beamtenstaat und Überbürokratisierung, Subventionen und Goldregen wurde jahrzehntelang über euch griechische Wähler ausgeschüttet. Überzeugt wähltet ihr die Sozialisten von Pasok oder die konservative Nea Dimokratia. Das habt ihr auch begeistert getan, mal die, mal jene, wer eben mehr blauen Dunst versprochen hatte.

Als dann vor lauter Schulden die Wahrheit über die „Leistung“ eurer politischen Kaste nicht mehr zu verbergen war, übernahm die Troika die Aufsicht. Aber niemals habt ihr zugegeben, dass ihr als Wähler völlig versagt habt.Ja, auch wir haben versagt und dieser Misswirtschaft wohlwollend Kredite gegeben, Augen zu, verbindlich lächeln und durch!

Vor fast 6 Monaten habt ihr euer Land einer Partnerschaft aus der kommunistisch geprägten „Syriza“ und den rechtsextremen „Unabhängigen Griechen“ anvertraut. Beide hatten im Wahlkampf damit geworben, dass man die geldgebende Troika aus dem Land werfen und den auf Schulden gebauten Sozialstaat fortführen würde. Man versprach, die EU und die anderen Gläubiger zur Kasse zu bitten. Das Eintreiben der ca. 70 Milliarden Steuerschulden bei der Oberschicht? Fehlanzeige, kein Interesse.

Seit einem halben Jahr hat diese Regierung nichts geleistet, außer PR, Show und Täuschung. Der bisher einzige Erfolg war die Umbenennung der Troika in „die Institutionen“, grandios! Dabei wäre eine Erneuerung des Staates, seines Haushalts und vor allem seiner Werte (Kampf gegen Steuerhinterziehung, Korruption, Bürokratie) nötig gewesen. Ein Land in Not hätte eine tatkräftige Regierung benötigt, keine Maulhelden und Staatsschauspieler. Dass viele eurer Landsleute aus einem Sozialparadies in die Armut abgeglitten sind, bedaure ich sehr. Aber die Schuld daran tragen nicht die anderen Staaten, die wie im Baltikum oder der Slowakei einen schmerzhaften Rückbau des Sozialstaats hinter sich gebracht haben, Schuld tragen auch nicht die Geldgeber, deren Bürger dafür Steuern zahlen müssen, Schuld trägt erst recht nicht die koordinierende Troika.

Tut mir leid liebe Griechen, bei aller Freundschaft, wer jahrzehntelang unfähige Regierungen wählt, ist an seinem Schicksal selber schuld!

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