Familienunternehmen erhalten oder verteilen?

Eine merkwürdige Gesprächsrunde bei Jauch.

Guenther-JauchLetzten Sonntag bei Günther Jauch: eine Gesprächsrunde zum Thema „Unverdient reich – ist erben gerecht?“ Dabei die Buchautorin Julia Friedrich „Wir Erben“, Erfolgsunternehmer Dirk Rossmann, Armutsforscher Prof. Dr. Christoph Butterwegge, Gräfin von Pfuel und ein zu vernachlässigender Erbschaftsexperte. Jauch übernahm die geschätzte Zahl von 250 Milliarden Euro  pro Jahr zu vererbendem Vermögen. Gleich zu Anfang beging er den Fehler, diese Zahl nicht mit Aufgliederungen zu unterlegen. So blieb während der gesamten Diskussion der Eindruck, dies sei mehr oder weniger Geldvermögen. Genauer betrachtet teilt sich die Summe auf in die geschätzten Unternehmensverkehrswerte,  berechnet nach Jahresgewinn mal 18, also einem theoretischen Wert, der nur bei einem Verkauf erzielt werden kann. Hinzu kommt natürlich das Ersparte einschließlich privatem Immobilienbesitz. Julia Friedrich, die im Rahmen Ihrer Promotiontour für das Buch „Wir Erben“ im Moment durch die Talkshows tingelt, erklärte wieder einmal, wie sehr doch manche Erben unter dem Erbe litten, sich Vorwürfe über das Ererbte und wegen des plötzlichen Reichtums machten, für das sie doch zu wenig tun mussten. Die Peinlichkeit, ein paar offenbar psychisch geschädigte Erben zum Leitbild eines „Erbschaftsproblems“ zu erheben, hat Jauch ebenfalls durchgehen lassen. Rossmann erklärte sehr souverän, warum seine beiden Söhne erben und das Unternehmen als Familienbetrieb weiterführen sollen. Prof. Butterwegge, der nicht nur Armutsforscher, sondern auch Agitator der Partei DIE LINKE ist, machte sich mal wieder zum Anwalt der Hartz IV-Bezieher und leitete dann ebenso wie Frau Friedrich dazu über, dass die Erben doch viel mehr abgeben müssten, damit die Politik  mehr Gerechtigkeit herstellen könne. Dann folgerten beide in herzlicher Einigkeit, dass durch höhere Erbschaftssteuern und deren Umverteilung mehr für die weniger Begüterten getan werden könnte. Wir fassen uns an den Kopf, wie kann eine Buchautorin ein paar psychisch schwache Erben, die Burnouter oder Nervenbündel sind, zum Argument für mehr Steuern für alle Erbschaften hochstilisieren? Was ist mit den Hunderttausenden von Handwerks-, Landwirtschafts- und Unternehmerfamilien, deren Nachfolgegeneration die Betriebe hegt, pflegt und ausbaut? Allesamt nur Beute für den gierigen Staat? „Wohlstand für alle“ ist die Basis unserer Marktwirtschaft im Sinne Ludwig Erhards und nirgendwo auf der Welt existiert ein besseres System. Einverstanden, nicht jeder gehört zu den Gewinnern und für diejenigen, die zu kurz kommen, kann man mit Bildung, Fortbildung und Förderung nachhelfen. Mehr Geld für den Staat zur Umverteilung? In den letzten Jahren wurden die Finanzminister mit einer ungeahnten Summe Geldes überschwemmt, aber haben die Leute mit Problemen davon profitiert?

Wir waren nach der Sendung stocksauer, dass die wichtigen Fragen nicht gestellt und Unternehmenserben mehr oder weniger als Halbirre dargestellt wurden. Herausgeber Günter Morsbach schrieb einen offenen Brief an Julia Friedrich, veröffentlicht in der Huffington Post, den Sie sich nicht entgehen lassen sollten.

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