Heute schon im Web gekuschelt?

Das merkwürdige Geschäft mit der Sehnsucht in den Partnerportalen. Wir haben mal nachgerechnet.

Vor 12 Jahren startete Parship, das erste große Partner-Suchportal im Netz. „Nie wieder einsam“, das war das Glücksversprechen und es schien so einfach zu sein, mit ein paar Klicks und einer Abbuchungsermächtigung das Glück des Lebens zu finden. 2.500 Nachahmer-Portale folgten. Etwa 13,4 Millionen Singles leben laut Statistischem Bundesamt in Deutschland, im deutschsprachigen Raum insgesamt etwa 16 Mio. Nach der Branchenseite „Singlebörsen-Vergleich“ haben die Partnerbörsen im deutschsprachigen Raum 98,3 Millionen Mitglieder. Mathematisch ergibt das, dass jeder Single 6-fach in Partnerbörsen angemeldet wäre. Wenn realistischerweise nur jeder zweite Single auf Partnerbörsen aktiv wäre, ergäbe das eine durchschnittliche Präsenz pro Single auf 12 Partner-Portalen, klingt absurd.

Keine Frage, es gibt sie natürlich auch, die erfolgreiche Online-Partnersuche, aber gerade mal 2% aller Partnerschaften werden im Netz geschlossen. Von den daraus resultierenden Einnahmen alleine kann nicht jeder Börsenbetreiber leben. So lohnt sich ein Blick hinter die Kulissen der Traumfabriken. Da sitzen meist etwas ältere Damen am Telefon und überreden die überwiegend männlichen Anrufer zu Abonnements mit Gebühren ab etwa 100 Euro für ein Jahr, Mitgliedschaften in manchen Portalen kosten zwischen 20 und 50 Euro pro Monat. Der Abonnent empfängt dann oft Fotos von tollen Frauen, die aber teils aus dem Nirwana stammen. Die Texte der dann folgenden aufreizenden Mails stammen von Studenten, Teilzeitjobbern und älteren Heimarbeitern. Juristisch ist das alles bestens abgesichert, aber die Grenze zwischen Seriosität und Betrug verschwimmt bis zur Unkenntlichkeit.

Dann  rechnen wir noch einmal nach. Wenn  nach den Branchenangaben 2013 ein Gesamtumsatz von 186 Mio. Euro (gerundet 200 Mio.) erzielt wurde und 98,3 Mio. Nutzer (gerundet 100 Mio.) bei den Börsen registriert sind, zahlt jedes Mitglied für den Service gerade mal ZWEI EURO pro Jahr. Das ist ein großer Widerspruch zu den oben genannten Gebühren und eine weitere Merkwürdigkeit der Branche.

Nach einer repräsentativen Umfrage des Instituts Allensbach lernen sich 27% aller Pärchen im Freundeskreis kennen, 16% in einer Bar, 11% bei der Arbeit und nur 2% über Portale. „Old Technology“ dominiert also immer noch mit großem Vorsprung, das ist beruhigend.

-gm

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