Zwischen Muezzin und Happy Hour

Erdogan spaltet die türkische Gesellschaft und würgt bei wirtschaftlichem Aufschwung die Freiheitsrechte ab

ErdoganEr ist ein gnadenloser und leider sehr begabter Demagoge, dieser Recep Tayyip Erdogan. Am Sonntag wählen die Türken zum ersten Mal per Volksabstimmung den Staatspräsidenten. Meinungsforscher sagen dem jetzigen Premier einen Sieg voraus. Die konservative und stark religiöse Landbevölkerung liebt ihn wegen seiner islamisch geprägten Gesetzesinitiativen der vergangenen Jahre, wie der Aufhebung des Kopftuchverbots an den Universitäten, der Bekämpfung des Alkoholausschanks, der Absage an viele westliche Werte wie der Pressefreiheit, der Unabhängigkeit der Justiz und der Toleranz gegenüber Minderheiten. Eine liberal gesinnte Jugend und die aufgeklärte Großstadtbevölkerung sieht in ihm eher einen demokratisch verkleideten Despoten, der durch Vertuschung von Korruption und Vetternwirtschaft sowie der schleichenden Islamisierung die Türkei gesellschaftlich um 100 Jahre zurück wirft.
Es war der große Staatsgründer Mustafa Kemal „Atatürk“, der nach dem Zerfall des Osmanischen Reichs 1923 die moderne Türkei gründete. Die Trennung von Staat und Religion, Abkehr von den arabischen Schriftzeichen, Parteiendemokratie und Anerkennung westlicher Freiheitswerte wurden zu Grundpfeilern des türkischen Staats. Zu viel Freiheit meint Erdogan, lässt das Internet zensieren oder sperren, Demonstrationen gegen einsame Entscheidungen seiner Günstlinge niederknüppeln, missliebige Staatsanwälte und Polizeichefs versetzen und Dokumente zur Aufklärung von Korruptionsverfahren verschwinden. Ziel: ein „Islamischer Gottesstaat Light“ unter autoritärer Führung. Keine Frage, Erdogan hat viel erreicht, das Bruttoinlandsprodukt und damit der Massenwohlstand hat sich in seiner Regierungszeit verdreifacht, eine tolle Leistung. Der Wirtschaftsboom geht weiter und türkische Unternehmen geniessen Ansehen in aller Welt. Aber als Partner des Westens, besonders der EU, verliert Erdogans Türkei viel Vertrauen. Schade, der Mann ist Maurer und Abrissbirne in einer Person geworden!

Das türkische Lachverbot
Jetzt hat sein Stellvertreter Arinc junge Frauen dazu aufgefordert, in der Öffentlichkeit nicht mehr zu lachen, dies würde den moralischen Zustand des Landes unterminieren. „Wo sind die Mädchen, die leicht errötend die Augen niederschlagen, wenn sie uns ansehen“, fragte Arinc. Die Antwort gab eine türkische Fernsehjournalistin, in dem sie zu wöchentlichen Lachdemos aufrief. Wenn da mal nicht Erdogans Wasserwerfer das Make-up der Damen wegspülen werden. Liebe Türkinnen, gebt uns die Demotermine durch, wir lachen gerne mit euch über diese Spießer.

-gm

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