Goodgame Empire – Live!

Wie die Europäische Union und Russland ein Videospiel in Echtzeit aufführen, zu Lasten der betroffenen Menschen. Wir erleben, wie die Friedensepoche in Europa zu Ende gehen könnte.

Goodgame„Erbaue eine Burg, erobere andere Länder, zerquetsche deine Feinde, errichte ein Imperium“, so wirbt der Hersteller von Videospielen für „Goodgame Empire“. Vielleicht haben Sie es schon selbst gespielt oder die TV-Werbung dazu gesehen. Auf dem Bildschirm ist es ein Zeitvertreib, aber im Rahmen der Ereignisse in jüngster Zeit können wir das Eroberungsszenario auch live in den TV- Nachrichten verfolgen. Das gefährliche Spiel zwischen EU und Russland fing ganz harmlos an. Unter Gorbatschow und dann Jelzin löste sich der Warschauer Pakt auf, die DDR ging unter und die baltischen Staaten, die ost- und südosteuropäischen Länder suchten den Anschluss an die EU, anschließend den Beitritt zur NATO. Nachdem Russland sehr stark mit sich selbst beschäftigt war,  fanden die osteuropäischen Staaten unspektakulär den Weg in die westlichen Organisationen.

Unter Putin änderte sich das, er lenkte die hohen Einnahmen aus dem Öl- und Gasexport zum großen Teil in das Militärbudget und modernisierte seine Armee, was auch anerkennend von NATO-Generälen bestätigt wurde „die sind wieder ebenbürtig“. Er ließ die nach Unabhängigkeit strebende Teilrepublik Tschetschenien bombardieren, trennte im Georgien-Krieg zwei Landesteile zu seinen Gunsten ab, schickte Truppen nach Transnistrien, holte die Krim heim ins Reich und unterstützt trickreich die Kampfeinheiten in der Ostukraine. Er gründete die der EU nachempfundene Eurasische Wirtschaftsunion zusammen mit Kasachstan und Weißrussland, der andere frühere Sowjetstaaten wie die Ukraine nachfolgen sollen. Auch der Westen pokerte, verhandelte über einen Beitritt der Ukraine zur EU, in deren Windschatten dann zur NATO. Zeitgleich sollten und wollten die früheren Sowjetrepubliken Moldau und Georgien ersten Anbindungsverträgen an EU und NATO zustimmen. Durch die gegenläufigen  Strategien war ein Zusammenstoß unvermeidlich. Verlierer sind wie immer die betroffenen Menschen.

Welches Szenario steht uns bevor? Die Ostukraine steht vor einer Umwandlung in einen russisch beeinflussten Kanton innerhalb der Ukraine und wird  als ständiges Faustpfand Putins gegen einen NATO-Beitritt oder ähnliches dienen müssen. Die dringend benötigten Sanierungsmilliarden zugunsten der ukrainischen Wirtschaft wird Putin gerne die EU zahlen lassen und Russlands Kasse schonen. Der Westen muss zur Kenntnis nehmen, dass Putin kein netter Freund sondern der machtbewusste Führer Russlands ist. Er sucht den Applaus der Russen, nicht den des Westens. Von neuen Abenteuern, z.B. in Georgien, Moldau, Armenien oder Aserbaidschan sollte die EU besser die Finger lassen, zumal es genug unerledigte Probleme in den jetzigen Mitgliedsländern gibt. „Goodgame Empire“ kann man jederzeit abschalten, aber nicht die blutige Reality-Show vor unserer Haustür!

-gm

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