Griechenland ist überall

Es gibt viele große und kleine Dinge, über die man sich echauffieren kann. Sich über Europa, europäische Bürokratie und Regulierungswut zu ärgern, gehört sozusagen zum guten Ton. Aber es gibt auch gute Gründe dafür. Der Finanzbeamte Giorgos Boutos kann ein Lied davon singen. Ans Licht kamen die Leiden des Griechen durch einen Bericht von Christiane Schlötzer in der Süddeutschen Zeitung. Sie schilderte, wie sich der Athener Beamte seit 2010 bemüht, beim Europäischen Amt für Betrugsbekämpfung Gehör zu finden. Er meldete dem Amt Unregelmäßigkeiten und Veruntreuung von EU-Geldern beim Griechischen Institut für Berufliche Bildung (OEEK) und lieferte die Belege dafür gleich mit. Unter anderem hatte Boutos bei einer Überprüfung festgestellt, dass Lehrer Stundenlöhne von bis zu 610 Euro erhielten, die Gattin des Politikers außer Zahntechnik noch Geografie und der Sohn eines Kabinettsmitglieds „Versilberung von Uhren“ unterrichtete. Alles in allem kamen so mehrere Millionen zusammen, 75 Prozent davon aus EU-Kassen. Doch in Brüssel wollte davon niemand etwas wissen. Die Briefe des wackeren Beamten blieben weitgehend unbeantwortet, einige Fälle sind inzwischen verjährt und Boutos ist ziemlich desillusioniert. Das Schlimmste, so sagt er, sei für ihn „dass es so aussieht, als sei es auch der EU egal“. Wenn man sich ins Gedächtnis ruft, dass die Verschwendung öffentlicher Gelder eine der Ursachen für das Schulden-Drama Griechenlands ist, dann kann man nur noch besorgt fragen: „Quo vadis Europa?“.

– Andrea Przyklenk

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