Der heilige St. Brüssel

EUWährend bei uns alles auf den Koalitionspoker starrt, wurde das Wahlergebnis aus Österreich nur kurz kommentiert. Neue Parteien sind ins Parlament eingezogen. Ca. 35% der Wähler haben sich für europakritische Parteien entschieden. In Deutschland besteht das europakritische Lager aus zwei so unterschiedlichen Parteien wie AfD und DIE LINKE mit zusammen fast 15%. In Frankreich und in vielen anderen EU-Ländern sind zwischen 25% und 35% Anti-Europa-Stimmen normal. Woran liegt es denn, dass sich viele Menschen von der großartigen Idee, das zersplitterte und von Kriegen zerrissene Europa friedlich zu vereinen, abwenden? Wir sehen hierfür drei Gründe.

1. Es fehlt die vertrauensvolle Führungsfigur, die den Europa-Gedanken verkörpert. Das Nebeneinander von Ratspräsident, Chef der EU-Kommission, EU-Außenbeauftragter, EU-Parlamentspräsident usw. ist eher eine Gruppierung grauer Figuren. Diese Garde steht für Postengeschacher und Intransparenz. Nur ein gewählter EU-Präsident, der Europa nach innen und in der Welt glaubwürdig vertritt, kann verlorenes Vertrauen zurückgewinnen. Umso schneller, umso besser.

2. Die EU-Institutionen erwecken den Eindruck, dass sie nach dem Motto „Geld spielt keine Rolle“ wirtschaften, während in den meisten Mitgliedsstaaten Sparprogramme laufen. Hier fehlt es an Aufgabenkritik, Straffung der Zuständigkeiten und einem Stopp der Bürokratie. 28 Kommissare, 754 Abgeordnete und ca. 50.000 Beamte und Beschäftigte, da erkennt niemand mehr den Nutzen dieser Verwaltungsorgie. Wo waren die eigentlich alle, als sich Griechenland zum Problemfall entwickelte?

3. Wir haben den Eindruck, dass sich viele der Eurokraten nur damit beschäftigen, wie unser Leben EU-gerecht verformt werden soll, z. B. die Vereinheitlichung von Duschköpfen oder die Regelung, wonach für zuckerfreien Kaugummi, der den „Erhalt der Zahnmineralisierung“ fördern soll, nur mit dem Zusatz geworben werden darf „dass sich die positive Wirkung bei mindestens 20-minütigem Kauen nach dem Essen oder Trinken einstellt“. Das ist eine neue bürokratische Meisterleistung der Europappnasen. Insofern sind Europakritische Bewegungen erst mal keine Katastrophe. Druck auf die Brüsseler Eurokratie auszuüben, könnte ja eines Tages dazu führen, dass die alten Subventions- und Regulierungsstrukturen zerschlagen werden und Europa einen begeisterungsfähigen Weg in die Zukunft einschlägt.

-gm

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s