Die Grünen – nochmal Top oder Ex und Hopp?

Liebe GRÜNE, ich kann mit Euch im Moment überhaupt nichts anfangen und möchte das auch erklären. In den Anfangsjahren haben sich Friedensaktivisten, Atomkraftgegner, Bürgerrechtler, Naturschützer, Linke Sektierer und Alternative zusammengeschlossen, eine bunte Mischung, die ihren Charme hatte. Auch Polizistenprügler Joschka Fischer und Terroristen-Anwalt Christian Ströbele fanden ihren Platz in der jungen Partei. Später brachten die BÜNDNIS 90-Aktivisten aus der gefallenen DDR frischen, freiheitlichen Wind in den Laden. Die Partei brachte Leute mit Wirtschaftskompetenz wie Christine Scheel oder Gunda Röstel in das Kompetenzfeld „GRÜNE Mitte“ ein und erzielte gute Wahlergebnisse in bürgerlichen Großstadtvierteln.
Und heute? Von dem Kampf für individuelle Freiheiten ist nichts übrig geblieben. Verbotskataloge und krude Ideen mit ergrautem Kollektivismus statt Vertrauen in das Individuum prägen das Erscheinungsbild. Die GRÜNEN stellen sich heute als staatsgläubige Obrigkeitspartei dar, als Schutzpatron der Windmühlen und Radarfallen. Politische Kreativität und der Unterhaltungswert fürs Wahlvolk sind zur Unkenntlichkeit dahin geschmolzen. GRÜNE mit Wirtschaftsverstand und Einfühlungsvermögen wie Ministerpräsident Kretschmann oder Boris Palmer, Oberbürgermeister in Tübingen, werden auf Parteitagen ausgebuht und in eine Minderheitenposition geschoben. Die alte Führungsgarde hat offenbar nur das Ziel, vor der Pensionierung möglichst noch einen lukrativen Posten zu erobern und verkauft für billigen Aktionismus die GRÜNE Freiheitsidee der Gründungsjahre. Dabei wäre gerade eine junge, nicht verbohrte Führungsmannschaft für die politische Landschaft ein Gewinn. Ich könnte mir erneuerte GRÜNE vorstellen als Integrationsmotor für Zuwanderer und deren Kinder, Hüter individueller Lebensplanung, Begleiter und Förderer von Aufsteigern, Schutzherr für Fleißige gegen den gierigen Steuerstaat, Schirmherr nachhaltig wirtschaftender Jung- und Familienunternehmer. Die GRÜNEN könnten ein neuer Magnet werden für Kreative, Vordenker und Unangepasste. Das führt zu der Frage: Braucht Deutschland wirklich drei linke Parteien (vier mit den Piraten) oder genügen zwei? Haben die GRÜNEN noch die Kraft, sich neu zu erfinden oder begleiten wir nur noch als Voyeure deren begonnenen Niedergang?
Das grüne Wahlprogramm war war eine Katastrophe, ein Sammelsurium aus Besserwisserei, Subventionitis, Regulierungswut und Steuergier, vermischt mit einem Abklatsch des nebulösen Soziale-Gerechtigkeit-Eintopfs der anderen linken Parteien. Um dieses Programm aus erschöpfender Langeweile zu drucken, brauchte man 337 Seiten, mehr als CDU, CSU, FDP und LINKE zusammen. Auch die Urwahl der Spitzenkandidaten war kein Hit. Die liebe, blasse Katrin Göring-Eckardt und der selbstverliebt oberlehrerhafte Trittin hatten in den Medien eine beachtliche Plattform bekommen, ging aber voll daneben. Ich selbst habe die GRÜNEN immer mit einer Mischung an Neugier und klammheimlicher Anerkennung begleitet. Da wird jetzt erst mal Pause sein, bis ein neues, glaubwürdiges Programm mit neuen Köpfen präsentiert wird.

-gm

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